Die Berlin-Flüge sind nicht mehr wegzudenken
Mannheim/Berlin. Langsam rollt die Dornier DO 328 Turboprop-Maschine der Cirrus-Airlines auf die Startbahn des Mannheimer City Airports. Noch ein kurzer Moment des Atemholens für die donnernden Propeller und die angespannten Passagiere, dann steigert sich das Donnern zu einem Brüllen, und das Flugzeug wirft sich mit seinen 30 Passagieren dem Himmel entgegen in Richtung Bundeshauptstadt. Unter den Reisenden bleibt das Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit und das benachbarte Planetarium zurück. Seit beinahe zehn Jahren können Fluggäste diesen Vorgang erleben, denn in wenigen Wochen jährt sich die Aufnahme der Linienflugverbindung der Cirrus Airlines zwischen Mannheim und Berlin zum zehnten Mal.
Angefangen hat alles mit zwei Flugverbindungen täglich zu einer Zeit als das Denken in Regionen noch in den Kinderschuhen steckte und nur wenige den Bedarf einer schnellen Anbindung der zukünftigen Metropolregion Rhein-Neckar an Berlin sahen. Gegenwärtig fliegt Cirrus vier bis fünf Mal am Tag nach Berlin und wieder zurück. Und die Auslastung vor allem mit Geschäftsreisenden lag bis zum Hereinbrechen der Wirtschaftskrise bei guten 70 Prozent.
Die reine Flugzeit beträgt eine Stunde und fünf Minuten. Es sind gerade die kurzen Eincheck-Zeiten in Mannheim von 20 Minuten und in Tegel von 30 bis 45 Minuten, welche die direkte Flugverbindung zwischen der Metropolregion Rhein-Neckar und Berlin bei Geschäftsreisenden so beliebt macht. Doch auch die Mannheimer Adler lassen sich von Mannheim mit Charterflugzeugen von Cirrus zu ihren Auswärtsspielen fliegen, und auch die Fußball-Bundesliga-Mannschaft von Hoffenheim 1899 greift auf Angebote von Cirrus zurück. Zahlreiche internationale Stars, die in der SAP Arena ihren Auftritt haben, fliegen in Mannheim ein, sogar für die Formel 1 hat Cirrus schon Mannheim angeflogen.
Eine wichtige Funktion erfüllen Cirrus und der City Airport für die Transplantationsmediziner der Region. Unter immensem Zeitdruck werden Transplantate in den Flugzeugen nach Mannheim gebracht – mit Ziel Mannheimer oder Heidelberger Universitätsklinik.
Etwa 420000 Flugreisende haben die Linienflugverbindung von Cirrus Airlines seit ihrem Bestehen genutzt. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise hat allerdings auch bei Cirrus ihre Spuren hinterlassen. "Einen Rückgang zwischen acht und zehn Prozent hat man auf der Strecke Mannheim–Berlin zu verkraften", erläutert man bei Cirrus. Die kleine Fluglinie zeigt sich damit allerdings stabiler als die Gesamtbranche, die mit durchschnittlich minus 15 Prozent zu kämpfen hat.
Kaum Auswirkungen auf die Passagierzahlen soll die im vergangenen Jahr erfolgte Schließung des Zielflughafens Tempelhof in Berlin haben. Auch vom jetzt angeflogenen Flughafen Tegel erreicht man die Innenstadt in 30 Minuten.
Allerdings droht auch das Szenario, dass man Ende 2011 den außerhalb der Hauptstadt gelegenen Flughafen Schönefeld wird anfliegen müssen, was sich zeitlich negativ auf das Erreichen des Zentrums von Berlin auswirken wird.
Gegenwärtig wird die Verbindung Mannheim–Berlin von der Do 328 mit einer Kapazität von 30 Passagieren bedient. Der Flugzeugtyp wird allerdings nicht mehr hergestellt, so dass mittelfristig der City Airport Mannheim mit seiner begrenzten und – realistisch betrachtet – kaum verlängerbaren Landebahn in Schwierigkeiten geraten könnte.
Mit dem Alternativ-Modell, der beim Treibstoff sparsamen und leisen Bombardier TurboProp Dash 8, hat man es in Mannheim schon früher versucht, durfte aber aufgrund der kurzen Landebahn nur mit maximal 28 Passagieren an Bord fliegen. Die Do 329 Maschinen von Cirrus Airlines sollen allerdings im Schnitt erst sechs Jahre alt sein. Und wenn man berücksichtigt, dass Flugzeuge rund 20 Jahre geflogen werden, bleibt noch Zeit, sich Alternativen zu überlegen.